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Nach dem Abitur und dem Studium des Kommunikationsdesigns an der Fachhochschule Wiesbaden (1984-1987, Abschluss: Diplom) habe ich zwei Jahre Erfahrungen sammeln dürfen bei der Messe Frankfurt, Abteilung Design. Im Anschluss war ich ein halbes Jahr tätig für das ZDF / 3Sat im Mainz. In der anschließenden Kindererziehungszeit habe ich mich 1997 selbständig gemacht und arbeite in dieser Form bis heute.

Von 2017 bis 2019 bin ich meinem frühen Wunsch nach einer Lehrtätigkeit nachgegangen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Kunstlehrerin an einem Gymnasium in Bad Kreuznach hat mir sehr viel Freude gemacht. Es war allerdings in Kombination mit meinem weiter laufenden Designstudio zu fordernd und ich freue mich, meinem Atelier heute wieder die volle Aufmerksamkeit widmen zu können.

GESTALTUNG IST ÜBERALL

  • Was ist Gestaltung?

      Man könnte antworten: Was ist NICHT Gestaltung? Wir Menschen sind Gestalter. Wir denken uns etwas aus, stellen uns etwas vor, handeln dementsprechend. Gestalten bedeutet Gedanken Form, Gestalt zu geben. Das tun wir alle ständig.

      Jemand, der professionell gestaltet, tut dies bewusst und kennt die Gesetze der Wahrnehmung. In diesem Sinne gestalte ich vorsätzlich und bewusst, mit einer geklärten Absicht. Wenn die Absicht nicht klar ist, wird das auch mit dem Gestalten nichts. Der Prozess läuft dann ins Leere. Wie bei jemandem, der eine Rede halten möchte und nicht weiß warum, was, für wen. Das unterscheidet Gestaltung auch von Kunst. Kunst hat keine klar formulierte Aussageabsicht, sie ist frei von Zweck.


  • Gibt es so etwas wie gute Gestaltung? Wenn ja: Was macht gute Gestaltung aus?

    Ja! Gut ist sie dann, wenn sie erreicht, was sie will. Dazu muss man wissen, was sie bewirken soll. Das Sahnehäubchen, das wirklich gute Gestaltung ausmacht, ist die Wirkung auf den Betrachter – etwa angenehm, harmonisch, inspirierend, spannend, witzig. Wenn sie etwas, das man schon kennt, irgendwie neu zeigt, in neue Zusammenhänge bringt. So, dass man hinschaut, kurz überrascht ist. Staunt. Gute Gestaltung zeigt, weist hin auf etwas, lässt staunen, führt hindurch, erreicht die Sinne. Gute Gestaltung stellt eine gute Beziehung her. Und sie nimmt den Betrachter an die Hand. Gestaltung macht Inhalte leichter konsumierbar.


  • In welche Lebensbereiche erstreckt sich gute Gestaltung für dich?

    In alle!

Beruf: Grafikdesignerin

  • Wie beschreibt man den Beruf gängigerweise? Wie würdest du ihn beschreiben?

    Als ich mich 1984 zur Aufnahmeprüfung in Wiesbaden angemeldet habe, dachte ich, das sei „irgendwas mit Zeichnen“. Tatsächlich ist das für mich auch wesentlich daran und jeder meiner Entwürfe beginnt mit dem Stift auf dem Papier. Was dazu kommt, sind heute vor allem die sich rasant weiter entwickelnden technischen Möglichkeiten des Computers.
    Ein Grafikdesigner ist jemand, der gut zuhören kann, das Gehörte simultan in Bilder übersetzt und mit Hilfe seiner ausgeprägten Vorstellungskraft neue Bilder entstehen lässt. Grafikdesign ist der sensible, bewusste und zielgerichtete Umgang mit allen Arten von Formen, Strukturen, Farben und Bildern.


  • Was macht eine gute Grafikdesignerin aus?

    Sie hört sehr gut zu, ist bereit, Dinge wertfrei anzusehen, auf ihren Gehalt für die Sache zu prüfen, liebt es, Dinge zu ordnen, interessiert sich für alles Mögliche, hat eine offene Grundhaltung. Sie hat ihre Standards und Ansprüche, denkt und bringt Dinge zu Ende, ist praktisch, denkt gerne nach, ist intuitiv, kann auch mal eine Idee loslassen, wenn das „Sackgassengefühl“ auftaucht. Sie geht auf den Kunden ein, ohne ihn alleine zu lassen – sie „hilft“ dem Kunden bei seinen Entscheidungen in Bezug auf sein Design.


  • Was hat sich in den letzten 30 Jahren am Beruf der Grafikdesignerin verändert? Und wo geht die Reise hin? Was wird immer gleich bleiben?

    Ich habe studiert, als es noch keine Computer gab. Wir haben viel mit Stiften gearbeitet, haben geklebt, kopiert, Kopien bunt eingefärbt, mit Letraset-Schriften Layouts gestaltet. Design war da noch Handwerk. Heute ist Design meistens Kopfwerk. Und es geht viel schneller, Entwürfe perfekt zu visualisieren. Das hat auch seine Tücken, man gibt sich zu schnell zufrieden. Der Zufall spielt oft keine Rolle mehr. Der direkte und spontane Ausdruck eines Stiftes auf Papier kann Dinge hervorbringen, die am Bildschirm gar nicht entstehen können. Außerdem ist mein haptisches Fühlen reduziert auf die Computer-Maus und allenfalls noch die kühle Glätte des Bildschirms. Wenn ich aber meine Sinne im Entwurfsprozess derart beschneide, schränke ich auch Lösungswege ein.
    Faszinierend ist das Zusammenspiel von Handwerk und Computer. Durchaus auch mal in umgekehrter Reihenfolge, Hauptsache, man ist sich bewusst, was man gerade tut. Wie bei einem Musikinstrument ermöglichen Übung und das Beherrschen der technischen Möglichkeiten erst einen freien Ausdruck.
    Es gibt mittlerweile keine Setzer mehr. Vom Entwurf bis zur fertigen Druckdatei erstellt die Designerin alles selber, sie hat daher heute auch mehr Verantwortung. Designprogramme sind heute allen zugänglich, auch Nicht-Designer arbeiten damit. Heißt allerdings nicht, dass sie auch gute Ergebnisse bekommen. Statt „Papier ist geduldig“ könnte man heute sagen „Bildschirme sind geduldig“.
    Die künstliche Intelligenz ist dabei, auch den Designbereich zu erobern. Mittlerweile gibt es schon Software, die Logos erstellt. Ich hoffe, dass das von Menschen gemachte einen neuen Wert bekommen wird. Gerade auch, weil es fehlerhaft ist und dadurch lebendig. Der Mensch neigt aber leider dazu, sich selbst zu ersetzen, weil er es lieber bequem hat. Dass er dabei nicht immer glücklich ist, merkt er erst hinterher.


Anderen das Leben schöner machen

  • Was ist für dich der Kern deiner Arbeit? Oder gibt es mehrere Kerne? Wie nennst du die?

    Etwas wahrnehmen, herauskristallisieren, auf den Punkt bringen. Ordnen, strukturieren, Kompliziertes leicht lesbar machen. Vereinfachen, sympathisch präsentieren, die Aufmerksamkeit für eine Botschaft gewinnen. Mit Design Türen öffnen.

  • Wie würdest du in einem Satz sagen, was das Ziel deiner Arbeit ist? Wie in drei Sätzen?

    1. Etwas neu sehen und anderen zugänglich machen.

    2. Anderen das Leben leichter und schöner machen.
    Kunden glücklich machen.
    Klarheit schaffen.

  • Mit wem arbeitest du als Grafikdesignerin vor allem zusammen? Inwieweit arbeitest du interdisziplinär?

    Je nach Auftrag arbeite ich mit Fotografen, Webdesignern, Textern zusammen. Unser Netzwerk einfachfünf, das ich 2011 mitgegründet habe, bietet mir all das.
    Auch mit anderen Designern habe ich schon zusammengearbeitet, fällt mir aber schwerer. Um Ideen zu entwickeln, brauche ich dieses „für-mich-sein“. Danach ist der Austausch mit anderen immer sehr fruchtbar und wichtig.

  • Welche Aufträge machen dir besonders viel Spaß?

    Ich mag es, Texte und Bilder zu ordnen, neu zu kombinieren. Gestalten macht Spaß, wenn man erstmal aufräumen kann, aussortieren, hervorheben. In einem Layout ist es sehr reizvoll einen Rhythmus zu finden, dem der Betrachter gerne folgt.
    Am liebsten arbeite ich für Kunden, die Design schätzen, seinen Wert erkannt haben.

  • Gibt es etwas, was du als Grafikdesignerin immer schon mal machen wolltest, was dir aber noch nie jemand angeboten hat?

    Ich würde sehr gerne mal ein ganzes Buch gestalten. Am liebsten eines, in dem es um Natur geht. Mit schönen Bildern, vielleicht mit llustrationen.
    Mit meinen Kalenderprojekten habe ich etwas gestaltet, wo mir niemand reinredet, das war ein ganz besonderes Gefühl. Etwas nur von mir, nur für mich.

  • Machst du deine Arbeit wie alle anderen Grafiker auch? Wenn nein – was machst du anders?

    Ich zeichne im Vorfeld viel. Junge Designer machen das vielleicht nicht mehr in dem Maße. Bis sich das „Ruhe-Gefühl“ nicht einstellt, wenn ein Entwurf gelungen ist, dieses „Klick“, das „Einrasten“, höre ich nicht auf, an einem Entwurf zu feilen. Dann stimmt es noch nicht. Auch stülpe ich dem Kunden nichts über. Ich nehme ihn ernst, gehe sehr auf seine Wünsche und Vorstellungen ein, berate ihn aber natürlich auch eingehend, damit das Ergebnis sowohl seine Bedürfnisse als auch meine gestalterischen Standards und Vorstellungen abbildet. Er wäre sonst auch schlecht beraten.

  • Wie bist du zum Grafikdesign gekommen?

    Ich konnte gut zeichnen und wollte das machen. Während des Studiums habe ich das dann aber gar nicht in den Mittelpunkt gestellt, mir eher ein gestalterisches Grundlagenwissen erarbeitet. Erst jetzt setze ich das wieder verstärkt ein, zur Zeit vor allem bei eigenen Projekten.

  • Was ist dir nach fast 30 Jahren Berufserfahrung als Grafikdesignerin klar, was dir mit Anfang 20 noch nicht klar war?

    Mit Anfang 20 wusste ich überhaupt nicht, was Grafikdesign ist. Und dass es auch in diesem Beruf Routinen gibt, dass man es lernen kann, kreativ zu arbeiten und Ideen zu entwickeln. Sehr schnell war klar, dass es ein sehr anstrengender Beruf ist, der vor allem im Studium und in den Anfangsjahren manche Nacht zum Tag gemacht hat. Dass das nicht so sein muss, ist mir heute klar.

  • Auf welche Arbeiten aus der Vergangenheit bist du besonders stolz?

    Da fällt mir gar nichts ausdrücklich ein. Ich bin eher stolz darauf, dass ich für manche Kunden schon mehr als 20 oder sogar 30 Jahre arbeite und überhaupt schon so vieles gemacht habe.

DER KUNDE PROFITIERT

  • Wie wichtig ist es dir, dass der Kunde am Ende zufrieden ist? Warum?

    Sehr wichtig. Dafür mache ich das.

  • Was muss vom Kunden kommen, damit du deine Arbeit richtig gut machen kannst?

    Der Kunde sollte wissen, was er will. Oder sich darauf einlassen, es mit mir gemeinsam herauszufinden. Oft ist es so, dass der Kunde sich bei den ersten Entwürfen erst bewusst wird, was er will und was nicht. Für eine Website muss vom Kunden der Inhalt kommen. Ohne Content keine Gestaltung. Außerdem muss er die Bereitschaft haben, in gutes Design auch zu investieren.

  • Warum lohnt es sich für einen Kunden so sehr, in gute Gestaltung zu investieren? Bei welchen Gelegenheiten wird er profitieren?

    Gute Gestaltung hat Wirkung nach außen und innen. „Das macht was mit einem“ - so hat eine Kundin das mal genannt, als sie begeistert ihr ihr neues Logo anschaute. Ein konsequentes Corporate Design stärkt das Selbstwertgefühl, von Kunden und Geschäftspartnern wird man als Profi wahrgenommen. Gutes Design fördert gute Beziehungen, und auf guten Beziehungen baut alles auf. Wenn ich jemandem meine Visitenkarte in die Hand drücke und der schaut erfreut, habe ich ihn schon auf meiner Seite. Gutes Design ist ein Türöffner und zieht – richtig eingesetzt - meine Wunschkunden an.

  • Kann man – bei kleinem Geldbeutel – gute Gestaltung auch sukzessive umsetzen? Wo liegt deiner Meinung nach die Priorität?

    Wenn es um einen Unternehmensauftritt geht, braucht es vor allem eine visuelle Identität. Nicht immer ist ein Logo mit Bildelement dazu nötig, in jedem Fall aber ein wiedererkennbarer Schriftzug. Die Website ist fast wichtiger geworden als die Visitenkarte, aber meistens braucht man letztere im persönlichen Kontakt dann doch noch.

    In Bezug auf die Kosten bin ich immer bereit, mit den Kunden zu reden. Es gibt Möglichkeiten, das Ganze auch für kleinen Geldbeutel nach und nach umzusetzen. Man muss einfach drüber sprechen.

Karen Borberg
Dipl.-Designerin (FH)
Atelier für Gestaltung
Schmittstraße 21
55411 Bingen (Kreis Mainz-Bingen)

design_at_karenborberg.de
06721-7036068

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